Der Verein Wildwasser Würzburg e. V. feiert 2014 sein 25. Jubiläum (aktualisiert)

„Wildwasser Würzburg: bewegt, mutig und gemeinsam stark. Ja, das stimmt.

Dieses Jubiläum können wir feiern, weil ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterinnen viel Zeit, Engagement und hohe Fachkompetenz einbringen.

 

Ein großer Dank geht daher insbesondere an die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen für ihren fachlich hoch kompetenten Einsatz.

 

Seit unserer Vereinsgründung bis heute hat sich viel zum Positiven verändert, z.B. in Bezug auf

  • die öffentliche Haltung zu sexueller Gewalt an Mädchen und Frauen. Damals ein Nichtthema, das bei Thematisierung Angriffe und Beschimpfungen alleine durch die Benennung auslöste.

 

Wir haben z.B. 1988 hier im Fechenbach-Haus in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt und der Beauftragten für Frauen und Kinder bei der Polizei unsere erste größere Informationsveranstaltung durchgeführt.

 

Ich erinnere mich noch gut an die Atmosphäre hier im Saal: Menschen, die Informationen zum Thema Sexuelle Gewalt erwarteten und Menschen, die ihre Abwehrhaltung zu diesem Thema –auch lautstark- zur Kenntnis gaben.

 

  • Verändert hat sich auch das Angebot von kompetenten Beratungs- und  Therapiemöglichkeiten
  • Verändert und verbessert hat sich auch die finanzielle Förderung durch die öffentliche Hand. Ca. 70% unserer Ausgaben können wir darüber bestreiten, ca. 30 % tragen wir selber, durch Einnahmen durch Spenden und das Entenrennen. Da sind wir stolz darauf, gleichzeitig würde es uns schon erfreuen, wenn der öffentliche Anteil höher ausfallen würde.

 

Mit unserer politischen Arbeit haben wir viel zu diesen Veränderungen hier in Würzburg beigetragen.

Eines jedoch hat sich nicht geändert: die Not, das Leid, das Erleben der betroffenen Mädchen und Frauen.

Unsere wesentliche Aufgabe ist daher nach wie vor: Schutz, Sicherheit und Unterstützung bei der Bewältigung zu geben.

Dies werden wir auch weiterhin tun: bewegt, mutig und gemeinsam stark.“

 

 

Schuchardt

Elisabeth Kirchner, Oberbürgermeister Christian Schuchardt; Foto: Renate Schüßlbauer

 

Oberbürgermeister Schuchardt

In seiner anerkennenden Rede sprach Oberbürgermeister Schuchardt nicht nur das aufrichtige Angebot aus, mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Anliegen von Wildwasser Würzburg e. V. unterstützend zur Seite zu stehen, sondern überreichte auch gleich noch das sympathische Kilianimaskottchen „Anni“ und dessen Verkaufserlös von 1.340 Euro an die Wildwasser Mitarbeiterin Dipl. Psych. Elisabeth Kirchner. 

 

Zum 25jährigen Bestehen von Wildwasser Würzburg e. V. gratuliere ich für die Stadt Würzburg sehr herzlich.

 

Gleichzeitig bedanke ich mich für das überaus große Engagement und den beharrlichen Einsatz für Mädchen und Frauen mit Gewalterfahrung in den vergangenen 25 Jahren. Der 1989 gegründete und anfangs ausschließlich ehrenamtlich arbeitende Verein Wildwasser Würzburg e. V. - Verein gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Frauen - hat sich im vergangenen Viertel Jahrhundert enorm weiter entwickelt. Dabei beeindruckt die konsequente Aufbauarbeit ebenso sehr wie der Mut, ein tabuisiertes Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Mitarbeiterinnen mit hoher Sensibilität, Fachlichkeit und Kompetenz unterstützen und begleiten Mädchen und Frauen unabhängig ihres Alters, der kulturellen Herkunft, einer Behinderung und unabhängig ihrer sexuellen Orientierung und Weltanschauung.

 

Der Verein benennt gesellschaftliche Missstände, die sexualisierte Gewalt verharmlosen oder ermöglichen und klärt gezielt darüber auf, betroffene Mädchen und Frauen erhalten so eine starke Stimme. 

 

Mit seinem umfassenden Angebot an Rat, Hilfe und Therapie ist Wildwasser Würzburg e. V. ein wichtiges Modul innerhalb der Vielfalt von Beratungsstellen in unserer Stadt.

 

Im Rahmen von Aufklärungs- und Informationsveranstaltungen, ich denke hier natürlich gerne an das beliebte Badeentenrennen, sensibilisiert Wildwasser Würzburg e. V. die Öffentlichkeit für die Problematik der sexualisierten Gewalt und anderer Gewaltformen an Mädchen und Frauen.

 

Mit Stolz kann Wildwasser Würzburg e. V. auf das Erreichte blicken und sich den Aufgaben der Zukunft stellen. Ich danke den Mitarbeiterinnen für das engagiertes Wirken und den Vorstands und Vereinsmitgliedern für ihren Einsatz.

 

Für Ihr zukünftiges Engagement wünsche ich viel Erfolg und Anerkennung für die wertvolle Arbeit und darf Ihnen versichern, dass die Stadt Würzburg auch zukünftig an Ihrer Seite steht.

 

Christian Schuchardt

Oberbürgermeister

 

 

Nitsch

Matthias Nitsch, Geschäftsführer DGfPI Foto: Renate Schüßlbauer

 

Matthias Nitsch

Gesch.ftsführer DGfPI, Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e. V., Düsseldorf

 

Wir alle sind anlässlich des heutigen Jubiläums von den Wildwasser-Frauen aus Würzburg aufgerufen, „Gemeinsam das Schweigen“ zu brechen und ich denke, dies wollen, dies werden wir heute, aber auch in der Folge gern tun. Herzlichen Dank für diese Einladung! Vor 25 Jahren haben von Sexualisierter Gewalt betroffene Frauen – zunächst in Berlin und dann auch bundesweit, auch hier in Würzburg – begonnen, sich in Selbsthilfenetzwerken unter dem Namen Wildwasser zusammenzuschließen und sich gegenseitig zu unterstützen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die gesellschaftliche Debatte zum Thema Sexualisierte Gewalt nicht einmal in Ansätzen begonnen. Bedenken wir wo wir heute, 25 Jahre nach dieser Aufbruchszeit, stehen:

  • Ein Runder Tisch der Bundesregierung zum Thema Sexualisierte Gewalt hat getagt, ein Abschlussbericht – auch wenn dessen Empfehlungen noch lange nicht umgesetzt wurden – liegt vor.
  • Durch die Einrichtung der Stelle des UBSKM (Unabhängiger Beauftragter sexueller Missbrauch) wurde das Thema politisch institutionalisiert.
  • Keine Woche vergeht, in der Sexualisierte Gewalt nicht in irgendeiner Form – und sei es als Tatort-Thema – medial präsent ist.

  • Es existiert heute ein professionelles – allerdings finanziell NICHT abgesichertes und keineswegs flächendeckend aufgestelltes – Netzwerk von Fachberatungsstellen.

 

All dies haben die Wildwasser-Frauen aus Würzburg mit auf den Weg gebracht. Durch ihr Engagement, durch ihre Fachlichkeit, durch ihre Wirkkraft. Sie haben gesellschaftliche Entwicklung angestoßen, ermöglicht und umgesetzt. Und dies verdient unseren allerhöchsten Respekt.

 

Wildwasser Würzburg ist in den letzten 25 Jahren von einer Selbsthilfe-Beratungsstelle für sexuell missbrauchte Mädchen und Frauen zu einem Kompetenzzentrum Sexualisierte Gewalt in Würzburg gewachsen und als solches weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Heute stehe ich hier als Gesch.ftsführer der DGfPI und als Botschafter des Kinderschutzes. Ich stehe aber auch hier als einer derjenigen Männer, die in den 90er Jahren begonnen haben, sich für das Thema Sexualisierte Gewalt an Jungen, männlichen Jugendlichen und Männern einzusetzen, und der dies vor dem Hintergrund der Wegbereitung für das Thema durch Wildwasser-Frauen und andere, unter erheblich leichteren Bedingungen, als diese es hatten tun können, umsetzen konnte. Beide, der Geschäftsführer und Botschafter des Kinderschutzes, wie auch der „Mann aus den Neunzigern“ empfinden tiefen Respekt und Hochachtung dafür, dass für die Frauen von Wildwasser Würzburg in diesen 25 Jahren neben der gesellschaftlichen Enttabuisierung des Themas, neben der Professionalisierung der Beratung und Therapie von Betroffenen, neben dem Anstoßen und Mitgestalten von Entwicklungsprozessen zur Verbesserung des Kinderschutzes, neben aller Fachberatung für ErzieherInnen, LehrerInnen, Eltern, MitarbeiterInnen der Kinder- und Jugendhilfe und aller Fortbildung von Einrichtungen und MitarbeiterInnen, dass neben all dem – und mir ist bewusst, dass ich hier nur einen Bruchteil dessen, was geleistet wurde und wird, benannt habe – eine Handlungsmaxime geblieben ist, die für die Betroffenen, Rat Suchenden, Hilfe Suchenden so wichtig ist:

 

Die parteiliche Arbeit an der Seite der von Sexualisierter Gewalt betroffenen Mädchen, (Jungen) und Frauen.

 

Indem sich die BeraterInnen parteilich an die Seite der Betroffenen stellen, erfahren diese, was es bedeutet, gesehen, wahrgenommen und ernst genommen zu werden. Parteilichkeit ermöglicht ein beraterisch/therapeutisches Beziehungsangebot, auf das sich von Sexualisierter Gewalt betroffene Menschen einlassen können. Es eröffnet ihnen den Schutzraum, in dem es möglich ist, sich auf den Weg zu machen, um durch Akzeptanz, Integration und Transformation die meist traumatisierenden Erlebnisse zu verarbeiten. Politik und Gesellschaft sind gefordert, strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen dauerhaft und sicher zur Verfügung zu stellen, um diese wichtige Arbeit von Wildwasser Würzburg auch zukünftig zu leisten.

 

 

Weinberg

Dipl. Psych. Dorothea Weinberg Foto: Renate Schüßlbauer

 

Dipl. Psych. Dorothea Weinberg

Mit dem Thema „Die verletzte Seele – Sexueller Missbrauch im Erleben des Kindes – Schutz und Sicherheit als wesentliche Voraussetzung zur Traumabewältigung“ gab Dipl. Psych. Dorothea Weinberg eindrückliche Einblicke in die Abwehrmechanismen von Kindern und Jugendlichen, die sich in einer ausweglosen Situation befinden und unter anderem in ein Täuschungsverhalten verfallen, das ihre Not verdeckt. Wer sich darüber vertieft informieren will, sei dieser Artikel empfohlen: Dorothea Weinberg, Andreas Rose: Begutachtung bei traumatisierten Kinder – ein Fallbeispiel, Hogrefe Verlag, Göttingen 2006.

Bei Sekt und Salzstanden wurden die Eindrücke diskutiert, Erinnerungen der letzten 25 Jahre ausgetauscht und auf weitere gute Zusammenarbeit angestoßen.

 

 

Jubiläumsbroschüre:

Wildwasser Jubiläumsbroschüre

 

» Wildwasser Würzburg e. v. Jubiläumsbroschüre (PDF)

 

Presse:

TV touring - 25. Jubiläum Wildwasser Würzburg e.V.

MainPost - Verein Wildwasser feiert 25-jähriges Bestehen

br.de - 25 Jahre Wildwasser Würzburg e.V.

Weitere Stimmen aus der Presse finden Sie in unserem Pressespiegel.

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