Informationen zu dem aktuellen Fall von sexuellem Missbrauch in Würzburg

Viele Eltern und Fachkräfte sind beunruhigt und verunsichert wegen des aktuellen Falles von “Kinderpornographie” und sexuellem Missbrauch in Würzburg. Auch wenn hier vorwiegend Jungen betroffen sind, berät Wildwasser Würzburg e.V. Sie gerne persönlich, wenn Sie Fragen dazu haben oder Unterstützung für sich oder im Umgang mit Ihrem Kind benötigen.

Hier erhalten Eltern und Fachkräfte Informationen.

Informationen für Eltern

Folgende Fragen erreichen uns:

1)    Ist mein Kind betroffen? Kann ich das herausfinden?

Es gibt für keine eindeutigen Anzeichen, die auf sexualisierte Gewalterfahrung schließen lassen. Meistens gibt es keine körperlichen Folgen, sondern die betroffenen Kinder entwickeln Ängste oder spielen Erlebtes nach. Wenn Sie Auffälligkeiten Ihres Kindes beobachten und dazu Fragen haben, können Sie sich damit an uns wenden. Diese Auffäliigkeiten können aber auch andere Ursachen haben und möglicherweise wird es ungewiss bleiben, ob Ihr Kind betroffen ist.

2)    Was mache ich, wenn unklar bleibt, ob mein Kind betroffen ist? Wie gehe ich mit ihm um und wie halte ich das aus?

Suchen Sie in diesem Fall Unterstützung in Ihrem Umfeld und bei Vetrauenspersonen, die die Ungewissheit mit Ihnen gemeinsam aushalten. Machen Sie sich klar, dass die Gefahr bezüglich des Beschuldigten nun vorüber ist, da er inhaftiert wurde. Behandeln Sie Ihr Kind so wie immer. Sollten Sie Sorge haben, es könne unter den Folgen möglicher Gewalterfahrungen leiden, so können Sie Unterstützung z.B. bei niedergelassenen Psychotherapeut*innen oder in Beratungsstellen suchen.

3)    Soll ich aktiv mit meinem Kind über den Vorfall sprechen oder nur, wenn es fragt?

Wenn Ihr Kind bis zu dessen Inhaftierung mit dem beschuldigten Logopäden in Kontakt war, empfehlen wir, das Kind darüber zu informieren, weshalb nun keine Termine mehr stattfinden. Grundsätzlich gilt dabei: Man sollte Fragen kindgerecht beantworten, zu den Kindern ehrlich sein, sie aber auch nicht überfordern. Ein Beispiel für eine Formulierung: “X. kommt nicht mehr, weil er im Gefängnis ist. Die Polizei glaubt, dass er vielleicht mit Kindern Sachen gemacht hat, die man nicht machen darf. Es gibt Erwachsene, die Jungen und/oder Mädchen am Penis oder an der Scheide anfassen oder wollen, dass Kinder ihren Penis oder ihre Scheide anfassen. Und davon hat die Polizei Bilder gefunden und Filme. Darüber sind wir erst sehr erschrocken, aber nun sind wir sehr froh, dass die Polizei das herausgefunden hat und jetzt die Kinder beschützen kann.“

4)    Werden betroffene Kinder ihr Leben lang unter den Folgen zu leiden haben?

Nicht alle Kinder werden durch sexuellen Missbrauch traumatisiert. Wenn sie Schutz und Unterstützung erfahren, die Übergriffe nicht über Jahre gingen und die Handlungen nicht schwer wiegend gewesen sind, können viele Kinder die Erlebnisse auch gut verarbeiten.
Kinder, die über längere Zeit schweren sexuellen Missbrauch erleiden mussten, brauchen in der Regel professionelle Hilfe zur Verarbeitung, aber auch sie haben gute Chancen, die Gewaltfolgen zu bewältigen. Deren Eltern brauchen sicherlich parallel professionelle Ansprechpartner*innen an ihrer Seite.

5)    Was kann ich tun, damit meinem Kind so etwas nicht (wieder) passiert?

Kinder brauchen Erwachsene, die sich für ihren Schutz stark machen und hinschauen oder hinhören. Dennoch gibt es leider keine Garantie für eine Kindheit ohne Gewalterfahrung. Leider sieht man keinem Menschen an, was in ihm oder ihr vorgeht und es jemand sein könnte, der plant sexualisierte Gewalt auszuüben oder dies bereits tut.

Sie können jedoch sich und Ihr Kind stärken, um vorzubeugen oder Kinder zu ermutigen sich anzuvertrauen. Dazu gibt es zahlreiche Broschüren, die Eltern in einer präventiven Haltung unterstützen, wie z.B.:

  • Extrabrief des Arbeitskreis ANE (Arbeitskreis neue Erziehung e.V.): „Kinder stark machen – sexuellem Missbrauch vorbeugen“
  • Trau dich“, Bundesweite Initiative zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Dort finden Sie eine Anzahl von Ratgebern für verschiedene Zielgruppen.

6)    Woran erkenne ich, ob die Einrichtung, in die ich mein Kind gebe, sicher ist?

Auch hier gibt es keine Garantien, aber Bausteine, die für möglichst viel Sicherheit sorgen. Sie können nach einem Schutzkonzept fragen oder sich erkundigen, was getan wird, um Gewalt zu verhindern. Gibt es Beschwerdeverfahren oder sind die Mitarbeiter*innen zu dem Thema geschult? Eltern sollen nachfragen oder sich beschweren dürfen, wenn etwas ihnen seltsam vorkommt und wenn ihr Sohn oder ihre Tochter entsprechende Äußerungen macht, hellhörig sein.

Gleichzeitig sollten Sie nun nicht überall „Missbrauch wittern“. Kinder brauchen auch Vertrauenspersonen außerhalb der Familie. Es wäre gar nicht gut, wenn nun alle Kinderpfleger und Erzieher oder Übungsleiter unter Generalverdacht gestellt würden! Es ist so wichtig, dass auch kleine Kinder männliche Bezugspersonen haben können, denen ihre Eltern vertrauen. Diese dürfen auch schwul oder lesbisch sein. Kinder sollten nicht spüren, dass ihre Eltern ihrem Erzieher mit Argwohn oder gar Angst begegnen. Ein Klima des Misstrauens wird eher schädlich als förderlich sein. Kinder brauchen eine Umgebung, die ihnen Sicherheit und Vertrauen bietet, dazu können Sie als Eltern beitragen.

Informationen für Fachkräfte

Kollegen und Kolleg*innen, die erfahren müssen, dass ein Kollege, mit dem sie über Jahre vertrauensvoll zusammen gearbeitet haben, Kinder mit einer hohen kriminellen Energie sexuell missbraucht haben könnte, sind vermutlich erst einmal einfach schockiert.

Das ist unvorstellbar und braucht einen Raum, in dem es Platz hat, um es nach und nach begreifen zu können.

Wildwasser Würzburg e.V. unterstützt daher auch Fachkräfte in der Bewältigung des Schocks und mit ihren Fragen im Umgang damit sowie im Umgang mit den Kindern. Auch Sie brauchen Unterstützung, um wieder selbst Sicherheit zu gewinnen, Kolleg*innen vertrauen zu können. Scheuen Sie sich nicht, diese für sich einzufordern und in Anspruch zu nehmen – Sie zeigen damit nicht Unfähigkeit sondern Professionalität!

Um wieder gut arbeiten zu können und dem Thema „Prävention in Einrichtungen“ gerecht zu werden, empfehlen wir die Erarbeitung eines Schutzkonzeptes, das sexuellem Missbrauch vorbeugen soll und in Krisensituationen Leitlinien vorgibt. Pädagogische Mitarbeiter*innen und Leitungskräfte müssen sich mich mit der Möglichkeit beschäftigen, dass in ihrem Team jemand seine Machtposition Kindern gegenüber ausnutzen könnte – was in dem aktuellen Fall leidvoll erfahren werden musste.

Teile eines Schutzkonzeptes sind Regeln im Umgang mit den Mädchen und Jungen und ein sexualpädagogisches Konzept. Andere Aspekte betreffen den Umgang mit Macht, mit Nähe und Distanz sowie klare Regeln für Transparenz oder die Einrichtung „sicherer Räume für Kinder“. Wichtig sind aber auch vetrauensbildende Maßnahmen, Fürsorge für Mitarbeiter*innen, Supervision und Fortbildungen, ein Beschwerdemanagement und eine Fehlerkultur sowie Richtlinien für Notfälle.

Wenn Sie selbst Sorge haben, ein Kollege oder eine Kollegin überschreitet Grenzen und schadet Kinder, können Sie Ihre Beobachtungen schildern und wir unterstützen Sie niederschwellig in der Einschätzung dessen, was Sie zu uns führt. Nehmen Sie gerne Kontakt auf.